Heilsame Klänge
Musik als Weg zu einem gesunden Leben: Musiktherapie hilft bei zahlreichen Erkrankungen.
Mag. Agnes Brandstötter, BA: „Beim gemeinsamen Musizieren können die Patientinnen und Patienten das ausdrücken, was sonst für sie nicht aussprechbar ist.“
Einatmen. Ausatmen. Dann nimmt die Patientin den kleinen Schlägel und schlägt einen sanften Rhythmus. Langsam, tastend, doch mit jeder Wiederholung wird der Klang sicherer. Die Patientin sitzt im Therapieraum des Landesklinikums Hollabrunn. Sie leidet an Depressionen, ihre Schultern sind gesenkt, das Gesicht angespannt. Doch hier in der Musiktherapie spürt sie Gefühle in sich hochkommen, die sie fast vergessen hatte. Als die Therapeutin auf dem Xylofon leise Melodien anstimmt, lehnt sich die Frau zurück, ihr Atem wird ruhiger, sie entspannt sich. „Musik kann heilsam sein“, sagt Mag. Agnes Brandstötter, BA, „beim gemeinsamen Musizieren können die Patientinnen und Patienten das ausdrücken, was sonst für sie nicht aussprechbar ist.“ Agnes Brandstötter ist Musiktherapeutin im Landesklinikum Hollabrunn. Gemeinsam mit drei Kolleginnen und Kollegen kümmert sie sich auf der Abteilung für Sozialpsychiatrie um Personen zwischen 18 und 100 Jahren.
Wie Musik wirkt
Musiktherapie ist eine eigenständige wissenschaftlich-künstlerisch-kreative Therapieform, bei der mithilfe von Musik die Gesundheit des Körpers und der Psyche wiederhergestellt oder erhalten werden soll. Musik kann ohne Worte einen unmittelbaren Zugang zu tiefen Gefühlen und längst vergessenen Erinnerungen schaffen. Das macht sie zu einem machtvollen therapeutischen Instrument. Musiktherapie wird häufig in Kliniken als Teil eines Therapiekonzeptes angeboten. Musik, Tanz oder Malen zeigen messbare Effekte bei zahlreichen chronischen Erkrankungen. Zu diesem Ergebnis kommen zahlreiche Studien. Neurowissenschafterinnen und Neurowissenschafter konnten mit bildgebenden Verfahren etwa zeigen, dass Musik nachweislich einen Einfluss auf unsere Hirnstruktur hat. Sie schafft einen Zugang zu unserer Innenwelt. Dadurch können tief verborgene Gefühle an die Oberfläche gelangen.
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Text: Karin Schrammel⎪Foto: Philipp Monihart